Friedhofsgang an Allerheiligen – Leider abgesagt

Der traditionelle Friedhofsgang an Allerheiligen, am 1.11. um 14:00 Uhr auf dem Friedhof wurde leider abgesagt.

Die Feier der Konfirmation konnte am 17.10. mit einem Teil der Konfirmandinnen und Konfirmanden in der kath. St. Vitus-Kirche nachgeholt werden.

Am  17.10.2020 haben in der katholischen St. Vitus-Kirche um 10:00 Uhr 7 Konfirmanden und Konfirmandinnen ihre Konfirmation unter Beachtung strenger Hygiene-Vorschriften gefeiert.

Wir möchten unseren Konfis und Ihren Eltern dazu herzlich gratulieren und für Ihren Lebensweg Gottes reichen Segen wünschen!

 

Gottesdienste in der Friedenskirche unter Corona-Auflagen

Bei den Gottesdiensten in der Friedenskirche werden die Mindestabstände zwischen den Besuchern eingehalten. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen wird nun während des gesamten Gottesdienst eine Mund-/Nasenbedeckungen getragen. Die Gottesdienste dauern knapp 1 Stunde und es wird auch nur wenig gesungen. 

Trotz dieser Regelung ist es schön Gottesdienste feiern zu können. Wir freuen uns auf Sie und darauf, dass unser schöner Kirchenraum mit Leben gefüllt wird!

Kleines Gemeindefest mit Barbara Renger und dem Posaunenchor

Feiern oder nicht feiern? Wenn feiern, dann wie feiern?

Auf der Suche nach dem Weg unter Corona-Bedingungen Möglichkeiten der Begegnung anzubieten, fiel die Entscheidung auf ein kleines Fest in der EN-Halle. Unsere ehemalige Pfarrerin Barbara Renger hielt einen lebendigen und interessanten Gottesdienst zum Thema “Glocken”. Und diese ertönten dann auch in Ihrer wunderbaren Fülle vom Band.

Unser kleiner aber feiner Posaunenchor bot dann einen weiteren Ohrenschmaus!

Bei angeregten Unterhaltungen auf Abstand konnte man sich anschließend mit Kaffee und Kuchen stärken.

 

 

Wenn einem der Friede entgegen fliegt

 

Open-Air-Gottesdienst am Wasserschloss, am 19.7.20

 

Nachdem coronabedingt der Vorstellungsgottesdienst als auch die Konfirmation noch nicht stattfinden konnten, gab es am Sonntagnachmittag endlich wieder einmal eine Feier. Hier konnten sich die Konfirmanden der Gemeinde vorstellen.

Eingeladen vom Vorbereitungsteam und Pfarrer Riedel versammelten sich bei Sonnenschein rund 120 Christen, um am Wasserschloss gemeinsam Gottesdienst zu feiern.

Ausgangpunkt des Gottesdienstes zum Thema „Frieden“ war eine Konfirmanden-Challenge via Smartphone, die Katharina mit Umsicht und Engagement leitete. Die Konfirmanden erhielten über drei Wochen hinweg kleine Aufgaben, die sie im Team oder alleine erledigten.

Das Dankgebet des Gottesdienstes z.B. war solch eine Gemeinschaftsproduktion. Auch zur Geschichte von Jörg Zink „Wie spielt man Frieden“ sollten sie sich Gedanken machen. Als Krönung drehten sie kleine Videos, in der eine Friedenstaube weitergegeben wurde. Der fertige Film wird nun bei der Konfirmation am 18.10. gezeigt.

Die Papiertauben wurden am Ende des Gottesdienstes schließlich den zukünftigen Konfirmanden zugeworfen.

 

Doch Konfirmanden alleine machen noch keinen Gottesdienst.

Spontan fand sich ein sehr engagiertes Team von Jugendlichen, die das Thema mit Spiel, Wort und Musik vertieften und so für alle erlebbar machten – Melodien, vorgetragen von einer tollen Jugendband, die direkt ins Herz gingen, die Predigt und das Gebet  aus dem Mund von Heranwachsenden, die nachdenklich stimmten.

Auch Pfarrer Riedel war sofort im Boot und begleitete Gedanken und Tun.

„Open-Air“ und sprichwörtlich „full house“ – diese zwei Begriffe fassen den Sonntagnachmittag vielleicht am besten zusammen. Der rege Zuspruch und die Unterstützung durch Gemeinde, Vereine und viele private Helfer bei der Vorbereitung und Durchführung des Gottesdienstes, sind ein Sinnbild dafür, wie Friede Wirklichkeit werden kann.

 

Andacht für den 4. Sonntag nach Trinitatis, 5. Juli 2020 von Wolfgang Czekalla

Römer 12,17-21

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. 
Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. 
Ist’s möglich, soviel an euch liegt, 
so habt mit allen Menschen Frieden. 
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, 
sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; 
denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): 
«Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.» 
Vielmehr, «wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen;
dürstet ihn, gib ihm zu trinken. 
Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln» (Sprüche 25,21-22). 
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, 
sondern überwinde das Böse mit Gutem.
 
Herr, segne unser Reden und Hören durch deinen Heiligen Geist. Amen.
 

Liebe Gemeinde,
Es ist nicht immer einfach, als Christ zu leben. Wenn im Predigtwort von Hass und Frieden die Rede ist, dann sind das Dinge, mit denen wir uns tagtäglich herumschlagen. Aber wie verhalten wir uns in solchen Situationen?

Wenn möglich, sollte mit allen Menschen in Frieden gelebt werden.

Paulus weiß wie schwer es ihm und uns Menschen fällt auf Böses nicht mit Bösem antworten. 
Aber was tun, wenn uns ein Mensch ganz bewusst und gezielt etwas angetan hat? Da schwillt uns doch der Kamm. Da kommt Wut in uns auf und nimmt uns in Beschlag.

Wir wehren uns nach dem Motto: „Wie du mir, so ich dir“. Schließlich können wir uns nicht alles gefallen lassen! Wenn sich die Gelegenheit bietet, wird „zurückgeschlagen“. Wir teilen selbst aus und setzen verärgert unser Recht „mit allen Mitteln“ durch. Und schon haben wir dem Bösen Raum gegeben.
Wie können wir das, was Paulus hier fordert: Böses nicht mit Bösem vergelten? Aus uns heraus können wir es nicht.    Böses mit Gutem zu überwinden, das ist nicht nur eine Sache von Vernunft und Klugheit. Für Paulus spielt das Gottvertrauen eine große Rolle. Es gibt Situationen im Leben mit denen wir nicht zurechtkommen. Was über unsere Kräfte geht, dürfen wir getrost Gott übergeben.

Was wir können ist, aufgrund unseres Vertrauensvorschusses von Gottes Gnade, es zu versuchen: “ Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“.

Im Wissen dass Gott uns und unsere Mitmenschen (auch unsere Feinde) liebt, trotz unserer Fehler und Schwächen, sollten wir es wenigstens versuchen einfach mit Liebe zu den Menschen zu gehen. Nicht immer berechnend auf unseren Vorteil, auf unser Ansehen bedacht sein sollen. Wenn in mir Ärger aufsteigt, dann nicht gleich mit gleicher Münze heimzahlen.  Jesus Christus hat es uns vorgemacht und vorgelebt. Gegen den Hass fand er Worte der Liebe, gegen Spott und Verachtung Worte der Vergebung. Wo die Liebe wohnt, da lässt sich nach der ersten Aufregung auch der Zorn steuern. Wer von der Liebe Gottes weiß, der kann seine Sorgen und Nöte auch der Güte Gottes anvertrauen. Wer darauf vertraut, dass einem die eigenen Fehler vergeben sind von Gott, der kann dem anderen leichter dessen Fehler vergeben.

Christen sollen mit allen Menschen in Frieden leben, sagt Paulus. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.  Es ist geradezu befreiend, wie nüchtern der Apostel seine Worte formt: Ist’s möglich, soviel an euch liegt. Er weiß, dass man zum Friedenstiften immer zwei braucht. Und wie oft geschieht es, dass man selber zwar will, aber der andere Teil nicht mittut.
„Es kann der Frömmste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“ – so formuliert es nicht Paulus, sondern Friedrich Schiller in seinem Schauspiel „Wilhelm Tell“. Paulus gibt den Rat: nicht aufgeben, sondern immer wieder probieren. Ist’s möglich, soviel an euch liegt … Das will sagen: Ihr sollt nicht die Flinte ins Korn werfen, wenn der andere euren Friedensbemühungen gegenüber die kalte Schulter zeigt. Es ist kein Zeichen von Charakterschwäche, wenn man als erster den Schritt zum Frieden tut. Friede ist ja nichts, was einem in den Schoß fällt. Gott hat den Frieden gemacht mit den Menschen – und es hat ihn seinen Sohn gekostet. Friedensbereitschaft ist niemals ein Zeichen von Schwäche, sondern des Mutes. 
 
Rache zu üben steht uns nicht zu, sondern allein Gott. Rache ist nicht süß, sondern Rache zerstört mich. Vergebung schenkt neues Leben, wie die folgende Geschichte zeigt:
Der Evangelist Dapozzo erzählt: „Jahrelang habe ich um meines Glaubens willen in einem deutschen Konzentrationslager gelitten. Ich wog nur noch 45 Kilogramm, und mein ganzer Körper war mit Wunden bedeckt. Mein rechter Arm war gebrochen und ohne ärztliche Behandlung gelassen. Am Weihnachtsabend 1943 ließ mich der Lagerkommandant rufen. Ich stand mit bloßem Oberkörper und barfuß vor ihm. Er saß an einer reich gedeckten, festlichen Tafel.
Stehend musste ich zusehen, wie er sich die Leckerbissen schmecken ließ. Da wurde ich vom Bösen versucht: ,Dapozzo, glaubst du immer noch an den 23. Psalm: Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde, du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang!‘ Im Stillen betete ich zu Gott und konnte dann antworten: ,Ja, ich glaube daran!‘ Der Kellner brachte Kaffee und ein Päckchen Kekse. Der Lagerkommandant aß sie mit Genuss und sagte zu mir: ,Ihre Frau ist eine gute Köchin, Dapozzo!‘ Ich verstand nicht, was er meinte. Er erklärte es mir: ,Seit Jahren schickt ihre Frau Pakete mit kleinen Kuchen, die ich immer mit Behagen gegessen habe.‘ Wieder kämpfte ich gegen die Versuchung an.
Meine Frau und meine vier Kinder hatten von ihren ohnehin kargen Rationen Mehl, Fett und Zucker gespart, um mir etwas zukommen zu lassen. Und dieser Mann hatte die Nahrung meiner Kinder gegessen. Der Teufel flüsterte mir zu: ‚Hasse ihn, Dapozzo, hasse ihn!‘ Wieder betete ich gegen den Hass an um Liebe. Ich bat den Kommandanten, wenigstens an einem der Kuchen riechen zu dürfen, um dabei an meine Frau und meine Kinder zu denken. Aber der Peiniger gewährte mir meine Bitte nicht. Er verfluchte mich. 
Als der Krieg vorüber war, suchte ich nach dem Lagerkommandanten. Er war entkommen und untergetaucht. Nach zehn Jahren fand ich ihn schließlich und besuchte ihn zusammen mit einem Pfarrer.      Natürlich erkannte er mich nicht. Dann sagte ich zu ihm: ,Ich bin Nummer 17531. Erinnern Sie sich an Weihnachten 1943?‘
Da bekam er plötzlich Angst: ,Sie sind gekommen, um sich an mir zu rächen?‘ Ja, bestätigte ich und öffnete ein großes Paket. Ein herrlicher Kuchen kam zum Vorschein. Ich bat seine Frau, Kaffee zu kochen. Dann aßen wir schweigend den Kuchen und tranken Kaffee. Der Kommandant begann zu weinen und mich um Verzeihung zu bitten. Ich erzählte ihm, dass ich ihm um Christi willen vergeben werde. Ein Jahr später fanden dieser Mann und seine Frau zum Glauben an Jesus Christus.“
Es wird schwierig bleiben, das „süße“ Gefühl der Rache zu unterdrücken, denn es ist ein starkes Gefühl. Wenn aber das Gesetz der Rache nicht unterbrochen wird, werden aus Opfern der Rache wieder Täter, die sich rächen. Der Kreislauf wird erst unterbrochen, wenn wir den Rachegedanken an Gott abgeben.

Paulus zitiert eine ganz merkwürdige Anweisung, wie man seine Feinde überwinden soll: nicht durch Rüstung, starke Worte oder Gesetz.

Paulus schlägt stattdessen eine aktive Haltung vor, um Gewalt zu vermeiden: Wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. 
Tu etwas, so könnte man Paulus interpretieren, womit dein Feind nicht rechnet: gib ihm zu essen, gib ihm zu trinken. 
Tu etwas, womit du ihn in gewisser Weise überraschst. 
Du wirst feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. 
Feurige Kohlen auf dem Haupt, das ist ein alter ägyptischer Brauch. Wer sich schämte für etwas, was er getan hatte, der lief mit einem Becken voll glühender Kohlen auf dem Kopf herum.
Tu etwas, was deinen Feind überrascht, schlägt Paulus vor. Bringe ihn durch das Gute in Verlegenheit, so dass es ihm richtig heiß wird. Vielleicht wird er sich ändern. Im besten Fall wird aus einem Feind ein Freund. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Aber versuch es doch wenigstens.

Gelegenheiten gibt es viele: Trotzdem weiterhin zu grüßen. Sich seine eigene Freundlichkeit und Offenheit zu bewahren. Sicherlich fällt Ihnen etwas ein.
In jedem Satz unseres Predigtwortes tritt das Bild Jesu Christi vor uns hin. Er ist es, der sich vom Bösen nicht hat besiegen lassen. Er ist es, der das Böse überwunden hat durch seine Liebe. Er ist es, der mit uns und der ganzen Welt Frieden gemacht hat an seinem Kreuz.
Unser Weg als Christen ist ein Weg, der Menschen durch Liebe und Friedfertigkeit gewinnen will. 
Wo Gutes getan wird, hat das Böse seine Macht verloren. Und wer Gutes tut, darf mit Gottes Hilfe rechnen. Er ist es, der letztlich den Kampf entscheiden wird. 
Wir beten im Vaterunser: „Erlöse uns von dem Bösen“. 
Und wir vertrauen darauf, dass Gott unsere Welt zum Guten wendet.

Amen.

Andacht für den 2. Sonntag nach Trinitatis, 21. Juni 2020 von Kirchenrat Winfried Schlüter

Das Jahr steht im Zenit. Sommersonnwende am 21. Juni. Auch das Kirchenjahr steht im Zenit und hat im Juni drei wichtige Gedenktage.

Am 24. Juni ist Johannistag. Tag Johannes des Täufers. Am 25. Juni ist Gedenktag der confessio augustana unseres Augsburgischen Bekenntnisses von 1530. Und am Ende des Monats am 29. Juni ist Peter und Paul. Gedenktag der Apostelfürsten Petrus und Paulus.

Pfingsten haben wir den heiligen Geist gefeiert, Geburtstag der Kirche. Haben geträumt von einer vom Geist bewegten Kirche. Einer Kirche, die auch die Welt bewegt. Haben auch von uns geträumt. Ein jeder von uns darf und kann Geist Träger sein. Salz der Erde, Licht auf dem Berg.

Heute mit den drei besonderen Tagen im Kirchenjahr erinnern wir an 3 wichtige Bauteile der Kirche Jesu. Meiner Kirche, in der auch ich ein Baustein bin.

Paulus in der Epistel verkündet: „wir alle hier sind ja Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen ein Bau erbaut auf dem Grund der Apostel und Propheten in dem Jesus Christus der Eckstein ist.“

 

Und dann ist da als Erster Johannes der Täufer. Sein Arbeitsplatz ist der Jordan. Sein Job Bußprediger. Sohn der Base Marias, Elisabeth. Cousin Jesu. Ein Mann zwischen den Zeiten und zwischen allen Stühlen. Verkünder des Messias, tauft ihn, sieht den Himmel offen, aber folgt dem nicht nach.

Bekennt demütig. Er muss zunehmen, ich aber abnehmen. Sagt seinem König die Wahrheit, sein Inzest ist Sünde, und wird dafür geköpft. Der Täufer Opfer göttlicher Wahrheit und seines Bekennermutes, ja ein Märtyrer.

Und ein Moderner, ein Mann des Zweifels. Fragt im Gefängnis, ist dieser Jesus da wirklich der, der kommen soll oder sollen wir auf einen anderen Erlöser warten.
Johannes ein wichtiger Baustein der Kirche Jesu, Mitbürger der Heiligen, Gottes Hausgenosse, ein Baustein von Grund auf in dem Bau in dem Jesus der Eckstein ist.

Wo berührt mich sein Lebensschicksal, seine Glaubenssuche, sein Zweifel? Sein Opfer. Seine Demut. Wo ist er mir Vorbild, Hilfe, Trost? Sein Haupt wird heute noch hoch verehrt in der Omajadenmoschee in Damaskus. Mitten im geplagten Syrien.

 

Und dann ist da der 25. Juni der Gedenktag der Augsburgischen Konfession. Dieses Bekenntnis mit seinen 27 Artikeln Ist lutherische Lehr- und Glaubensgrundlage nach der heiligen Schrift. Vorgelegt auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 vor Kaiser und Reich. Reichsrecht bis heute, sagen Historiker.

In Kirchen lutherischer Tradition, wie unserer Landeskirche, ist es so was wie ein Grundgesetz. Pfarrer, Kirchenvorsteher werden darauf verpflichtet. Zum Lesen und Bedenken schlage man das Gesangbuch hinten auf.
Erarbeiter sind vor allem unsere Reformatoren Luther/Melanchton. Dazu Fürsten von Sachsen, Hessen, Brandenburg, freie Reichsstädte wir Nürnberg, Weißenburg und eben Augsburg.
Bekennermut liest sich in der Confessio. Glaubensüberzeugung und der Traum einer reformierten einer erneuerten Kirche Jesu. Unsere Confessio legt dar, was Evangelischen bis heute wichtig ist vor Gott in Kirche und Welt. Sie ist der mutige Versuch die Einheit der Kirche mit den Altgläubigen, Römischen, Kaiserlichen Päpstlichen zu erhalten.

Für unsere Identität unser Profil im Konzert der Konfessionen ist und bleibt die Confessio Augustana unverzichtbar. Ja die Lektüre tät sich lohnen.

Die Reformatoren mit unserer Confessio, ein wichtiger Baustein der Kirche Jesu. Mitbürger der Heiligen, Gottes Hausgenossen, Bausteine von vor 530 Jahren in dem Bau in dem Christus Eckstein ist.

Wie berührt mich diese Botschaft. Öffentlich profund, profiliert engagiert trotzig für meine Art des Glaubens einzustehen. Gerade vor Fürsten, Parteien, politischen Gestalten. Auch wenn es dazu Trotz, Dialogfähigkeit und auch manchmal Streit braucht. M. Luther war ja ein klassisches Alphatier. Melanchton eher der Ireniker.

Wie sage, ja lebe, ich es, dass mir meine protestantische Tradition mein eingeübter Glaubensschatz seit Generationen Hilfe, Trost, Anregung ist. Wertvoll auch für andere. Im Grunde unverzichtbar für ein gelingendes Leben.

 

Und dann sind da zu Guter Letzt die Apostelfürsten Petrus und Paulus mit ihrem 29. Juni. Ihr Ende kennen wir. Zur Zeit Neros sterben sie in Rom den Märtyrertod. Ihre Gräber werden verehrt. Ihren Anfang kennen wir auch. Petrus ist Handwerker, Fischer. Paulus Rabbinenschüler hochgebildeter Professor. Kirche Jesu liebt Gegensätze. Deo gratias. Versöhnte Verschiedenheit.

Petrus ist in Jerusalem für einige Zeit Vorsteher der Gemeinde. In Rom dann wohl erster Bischof. Von seinem Bekenntnis: ja Jesus du bist unser Messias, unser Erlöser, lebt Kirche bis heut. Auch von seiner Liebeserklärung lebt Kirche Jesu. Herr du weißt, dass ich dich liebhabe. Auch von seiner 2. Chance. Vergeben wird ihm der Verrat, neu wird er gesendet: weide meine Lämmer.

Paulus ist der mit den vielen Briefen im Neuen Testament, der oft nicht leichte Theologe, Streiter für Gnade und Barmherzigkeit Gottes: geliebt und angenommen sind wir von Gott ohne Vorleistung allein aus Glauben, allein aus Gnaden, allein durch Jesu Opfer.

Von seinem Eifer, seiner Denke, seiner Frömmigkeit, seiner Jesusbegegnung vor Damaskus seiner Leidenschaft Juden und Heiden gemeinsam das Evangelium nahe zu bringen auch seiner Streitlust mit den Altaposteln um der Wahrheit des Evangeliums willen, lebt Kirche bis heute.

Petrus du Paulus zwei wichtige Bausteine im Fundament der Kirche Jesu, Mitbürger der Heiligen, Gottes Hausgenossen, Bausteine in dem Bau, in dem Jesus Christus Eckstein ist. Übrigens zusammen mit vielen Frauen der ersten Stunde: Maria Salome Maria Magdalena vor allem Maria Mutter Jesu.

Wie schön, dass viele unserer Kirchen ihre Namen tragen. Wie schön, wenn ihr Lebens- und Glaubensschicksal mit Hilfe sein kann, Trost, Anregung, Vorbild, um lebendiger Baustein meiner Kirche zu sein, selbst ein glanzvolles Vorbild für die Vielen, die nach mir kommen.

Salz der Erde, ein Licht auf dem Berg. Meine Kirche nicht nur ein schöner Traum. Danke ihr guten Vorbilder Johannes, Martin Luther, Philipp Melanchton, Petrus, Paulus, ihr Frauen und Männer, ihr Mütter und Väter und ihr vielen, vielen ungezählten lieben Großeltern. …… Danke ……Amen.

 

 

 

 

 

 

Andacht für den 1. Sonntag nach Trinitatis, 14. Juni 2020 von Johannes Gortner

Liebe Gemeinde,

kürzlich hat mir bei einem Klassentreffen ein ehemaliger Mitschüler aus seinem Berufsleben erzählt. Er war Richter an einem Amtsgericht und konnte uns mit einigen lustigen Fällen aus seinen Erfahrungen unterhalten.  Das hat mich an die Fernsehserie “Das königliche bayerische Amtsgericht” erinnert.  Das Überraschende war jedoch der Hinweis, dass die Mehrzahl der Akten auf seinem Schreibtisch keine kriminellen Straftaten enthielten, sondern Klagen um Geld, Hab und Gut.  Beim Geld hört die Freundschaft und da verklagt eben ein Nachbar den anderen, weil er seine Garage um ein paar Zentimeter zu nahe an seinem Grundstück gebaut hat.  Ein anderer fühlt sich bei einem Autokauf übervorteilt.  Und wir kennen ja die verärgerten Drohungen wie “Der gehört angezeigt…!” oder “Die ziehe ich vor das Gericht…!” aus den alltäglichen Unterhaltungen.  Wenn wir unser Besitz, unser Hab und Gut bedroht sehen, werden wir sehr empfindlich.  Das ist verständlich. Wie viel Zeit, Kraft, Strebsamkeit, ja Lebensenergie investieren wir um zu Besitz, Wohlstand und materielle Sicherheit zu kommen.  Und haben wir schließlich ein beruhigendes Niveau erreicht und genießen die Früchte der Arbeit, dann beginnen Sorge und Angst mit ihrem Werk – es könnte alles verloren wieder verloren gehen- : “Hoffentlich geht der Euro nicht kaputt, hoffentlich macht meine Firma nicht pleite! ”  Gerade die wirtschaftlichen Folgen bei der Bewältigung der Coronakrise lassen diese Sorgen und Ängste für viele schmerzhaft real werden.  Kurzarbeit, das Sparkonto schmilzt, Arbeitslosigkeit droht.  Die Armut bläht sich wie Schreckgespenst am Horizont auf.

Ja, es stimmt. Es gibt in unserem so reich erscheinenden Land viele, zu viele arme Menschen. Auch ohne Coronakrise. Jedes 7. Kind ist  armutsgefährdet. Das ist ein Skandal! Dieser Tage beobachte ich vor dem Supermarkt einen älteren Mann – auf den ersten Blick wirkt er ordentlich gekleidet – wie er aus der Abfalltonne leere Flaschen holt um sie dann gegen Geldbons an der Kasse einzutauschen. Warum hat er das nötig?  Wahrscheinlich ist seine Rente zu klein, “zu wenig zum Leben und zuviel zum Sterben?”  Und die Kluft zwischen reich und arm wird immer größer mund tiefer.  Welche Ungerechtigkeit!

Wie gehen wir mit der Armut um?  Diese Frage ist wahrhaftig nicht neu. Sie hat auch die ersten frühen Christengemeinden bewegt. Auch unter ihnen gab es wohlhabendere und ärmere, notleidende  Menschen.  Das durfte aber nicht sein, wenn sie in der Nachfolge Jesu leben, am Bau des Reiches Gottes mitwirken wollten.

Sie erinnerten sich an das Gebet Jesu, als er Abschied von seinen Jüngern nahm und Gott bat, “dass sie alle eins seien.” (Joh. 17, 21).  Und hatte nicht Jesus den Ruf, der “Heiland der Armen” zu sein? Hatte er nicht gesagt:  “Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher ins das Reich Gottes kommt” (Mt. 19,24)?  Also setzte die junge Gemeinde, wie uns der Evangelist Lukas beschreibt, ihren Glauben herzhaft in die Tat um. Sie brauchte dazu kein politisches Programm zur Armutsbekämpfung. Sie bauten auf etwas anderes, mächtigeres, das sie bewegte, nämlich den Heiligen Geist.

Ihn hatte der Apostel Petrus in einer begeisternden Rede an die Gemeinde verheißen hatte: “Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes” (Apostelgeschichte des Lukas 2, 38). In diesem Geist lebten sie miteinander. Lukas beschreibt  ihr Zusammensein  so: “Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.” (Apostelgeschichte des Lukas 2,42).

Nun hören wir einen Abschnitt aus dem 4. Kapitel der Apostelgeschichte des Lukas in den Versen 32-37 über die Armutsbekämpfung der frühen Christengemeinde: Er liegt dieser Predigt zugrunde:

32: Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.

33: Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.

34: Und es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Äcker oder Häuser besaß, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte

35: und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.

36: Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes – , ein Levit, aus Zypern gebürtig,

37: der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Bewundernswert ist diese solidarische Gütergemeinschaft der ersten Gemeinde. Wie konsequent und mutig diese Christen ihren Glauben in die Tat umgesetzt haben und zwar in einem Bereich, wo es erfahrungsgemäß besonders weh tut: wenn es sich um das Eigentum, den Besitz, den Wohlstand handelt,  oder kurz und knapp:  wenn es an den Geldbeutel geht ! Da hören oft die schönsten Sonntagsreden  und Bekenntnisse auf.  Wer so handelt, sein Eigentum der Gemeinschaft anvertraut, der muss seine Ängste vor Verlust und wirtschaftlicher Unsicherheit überwinden können. Dies sind oft richtige Existenzängste. Sie zu besiegen zu können, dazu braucht es eine große Portion Kraft zur Selbstüberwindung und zum Loslassen-Können dessen, was einem im Leben oft so wert und teuer geworden ist. Diese Christen haben ihre Kraft aus dem Glauben an die Auferstehung Christi gewonnen. Dem Tod ist die Macht genommen und wir müssen die Saaten des Todes aus unseren Herzen und aus unserer Gemeinschaft entfernen. In diesem Geist lebten sie zusammen. Die Saaten des Todes sind Egoismus, Ausnützung anderer Menschen um den eigenen Wohlstand zu gewinnen und zu mehren, das sind Habsucht und Raffsucht und Neid und…und …und…Wie ihnen dieses Glaubensprojekt gelang, ist wirklich bewundernswert.  

Natürlich liegt es nahe, den Idealismus der ersten Christengemeinden der Begeisterung des Anfanges zuzuschreiben. Darauf folgt ja im Allgemeinen die  Phase Ernüchterung und die “Abnutzung des Reifenprofils”. Das lehrt die Geschichte der Kirche. Wir leben heute in einer ganz anderen Situation, aus unserem ökonomischen System können wir nicht so einfach aussteigen und die Uhr der Zeit auf  Anfang zurückstellen. Richtig. Aber dieser Geist der solidarischen Gütergemeinschaft wurde in den klösterlichen Ordengemeinschaften und, zum Beispiel, in den christlichen Landwirtschaftskommunen der Mennoniten und der Amishgemeinden in den USA  lebendig erhalten werden.  

Doch in einem bleiben wir mit den ersten Christen und der Botschaft Jesu verbunden.  Das ist ein Auftrag, der bis heute gilt. Er heißt Einsatz für die armen Menschen unter uns.  Jesus ist in die Armut hineingeboren worden und das ist seine  Auftrag für uns: kümmert euch um sie.  Heute sieht Armut anders aus als damals.

Das Bild des verlumpten Lazarus aus dem Lukasevangelium, das uns mit seiner ganzen Erbärmlichkeit ins Auge springt, muss für heute redigiert werden. Armut in unserem Lande ist heutzutage oft verdeckt.  Von Armut bedrohte Kinder unter uns leiden oft weniger an Hunger oder Obdachlosigkeit. Aber sie sind schlecht und einseitig ernährt, weil es der alleinerziehenden Mutter einfach an Geld für gesunde Lebensmittel fehlt.  Das heißt, dass sie schon mit angeschlagener Gesundheit aufwachsen. Sie können nicht mit den Eltern in die Ferien fahren, nicht an Klassenfahrten teilnehmen, erhalten keinen Musikunterricht, den Sportverein können sie sich nicht leisten. Diese Kinder sind nicht in der Lage an einem förderlichen kindgemäßen sozialen Leben teilzuhaben. Sie erleben sich als Ausgegrenzte, als Außenseiter. Die Gefahr ist groß, dass sie nie mehr herauskommen aus diesem Teufelskreis und ihr Leben lang Teil des sog. Prekariates bleiben.

Und die Armut der Erwachsenen?  Sie beginnt, nach einer amtlichen Definition dann, wenn jemand weniger als 60 % des durchschnittlichen Nettoeinkommens zum Leben hat. Das sind gegenwärtig 1035 € im Monat. Und die Mieten steigen und steigen.  Es ist “zu wenig zum Leben und zu wenig zum Sterben”.In die Armutsfalle zu geraten.  kann schnell gehen. Längere Arbeitslosigkeit,  dauerhafte Beschäftigung im Niedriglohnsektor, der bei uns erschreckend groß ist, Scheidung, chronische Erkrankungen, der Ursachen für die Armut gibt es also viele und sie lauern überall.  Solche abfälligen Sprüche wie “selber schuld” oder  “wie man sich bettet, so liegt man” oder “Jeder ist seines Glückes Schmied” sind selbstgerecht und zynisch.  Wir sollten ihnen widersprechen, wenn wir sie hören. 

Wer von uns mehr über die Armut in Würzburg erfahren will, der sollte mit den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Bahnhofsmission reden. Sie können aus ihrer Arbeit von erschütternden Schicksalen berichten.

Das Diakonische Werk Würzburg – die Diakonie ist unser evangelisches Sozialwerk – bietet mit der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit eine wichtige Beratungsstelle für Menschen in sozialen Notlagen an. Das Ziel ist die “Hilfe zur Selbsthilfe”. Diakonie und Caritas sind gemeinsam verantwortlich für  die Christophorus-Gesellschaft in Würzburg. Sie bieten dort, z.B., eine gemeinsame Schuldnerberatung an oder Hilfen für die Wiedereingliederung von Strafgefangenen nach der Haftentlassung.  Wir können diese hochqualifizierten kirchlichen Werke im Dienste der Armutsbekämpfung mit unseren Spenden unterstützen.  

Jesus beginnt seine Feldrede im Lukasevangelium mit einer Verheißung.

Er sagt: “Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.” (Lk. 6,20).

Es liegt auch an uns, an unserer Nächstenliebe, dass aus dieser Verheißung für die Armen unter uns ein lebenswertes Leben wird.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. 

Andacht für Trinitatis, 07. Juni 2020 von Manfred Engel

Liebe Friedens-Kirchen-Gemeinde, liebe Gäste!

Das Thema der Predigt zur Trinitatis-Zeit lautet: „Weiter Raum auf schmalem Weg“.  
2018 arbeiteten meine Frau Renate und ich ehrenamtlich bei den christlichen Angeboten der Landesgartenschau mit in der Trinitatis-Kapelle.
Die symbolkräftige Architektur der Trinitatis-Kapelle regt zu anschaulichem Besinnen an. Lassen Sie sich durch die bildreiche Predigt anregen!

  1. Annäherung

Von der Höhe der Landesgarten-Schau im Osten fiel den Besuchern beim Blick nach Westen die Dreiecks-Pyramide am „Alten Park“ ins Auge. Bei entsprechendem Sonnenstand funkelt sie wie ein Diamant:  Die Trinitatis-Kapelle. Sie ist ein richtiger „Fund-Ort“.  Ja! Gott lässt sich überall finden. So sucht mancher Gott in der Natur, auf dem Jakobs-Weg, in Familie oder Musik. Am sichersten aber lässt sich Gott finden  in der christlichen Gemeinde.
Dort, „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20, LÜ), sagt Jesus. 

  1. Die Dreiecks-Pyramide

Auf Dreiecks-Grund erheben sich die Spitzen der Dach-Flächen gen Himmel.
Sie stehen für  die Drei-Einigkeit: Für Gott Vater,   Sohn   und Heiliger Geist.
Die Dach-Flächen aus poliertem Edelstahl mit ihrem Spiegel-Glanz wollen uns auf die strahlende Herrlichkeit der Trinität Gottes hinweisen.
>Die größte Fläche zeigt symbolisch nach Osten. Sie lässt sich „Gott Vater,  dem allmächtigen Schöpfer“ zuordnen.
>Die Dach-Fläche am „schmalen Zugangs-Weg“ passt zum Heiligen Geist. Er begleitet den Weg der Menschen gewaltig, aber tröstlich unauffällig.
>Die dritte Dach-Fläche mit offener Tür ist dem  Eintretenden zugewandt. Sie passt zu Jesus, der von sich sagt:
„Ich bin das Tor. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet. Er wird hinein- und hinausgehen und eine gute Weide finden“ (Joh 10,9; BasisB).

  1. Zugang

Vom breiten Haupt-Weg der einstigen Landesgarten-Schau führt ein schmaler Pfad mit leichtem Gefälle um die Dreiecks-Pyramide herum zur Trinitatis-Tür.
Bei  „Tür“  denkt   man unwillkürlich an Jesu einladendes Wort:
„Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal ist der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden“ (Mt 7,13-14). Die Tür zum ewigen Leben ist Jesus.
Sie ist zwar eng, aber zugleich weit offen für jeden aufrichtigen Gott-Sucher. 

  1. Gegen den Uhr-Zeiger-Sinn

Der Weg zum offenen Eingang   führt ganz um die Trinitatis-Kapelle herum. Und das gegen den Uhrzeiger-Sinn.
Was dachten sich wohl die Architekten dabei? Hand auf’s Herz! Gottes Einladung zum Glauben geht uns   von Natur aus   gegen   den Strich. Sie durchkreuzt  meine  selbstbestimmten Lebens-Entwürfe und Lebens-Pläne. Darauf rebelliert mein stolzes Herz. Darf es auch. Doch im Glauben steckt auch die Kraft zur Selbst-Überwindung.

  1. Der Innen-Raum

Macher empfanden den Raum enttäuschend schmucklos. Der eigentliche Schmuck sollen die Besucher sein, mehr noch die Gegenwart Jesus. Wie es im 4. Vers des Kirchen-Liedes   „Schönster Herr Jesu“   heißt ( EG ö 403): „Schön sind die Blumen, schöner sind die Menschen in der frischen Jugend-Zeit, (sie müssen sterben, müssen verderben:) Jesus bleibt in Ewigkeit!“
Im Raum selbst wird der Blick unwillkürlich nach oben gelenkt.
Zum einen sind es die in die Höhe strebenden 3 Seiten-Flächen und zum andern der Licht-Einfall-Schacht in der Spitze der Trinitatis-Kapelle.

Die Schöpfung lechzt neben Wasser nach Licht.

Dem entspricht Jesus Wort: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12). Und an  den Glaubenden von heute spricht er ermutigend zu:
„Ihr seid das Licht der Welt. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,14.16; LÜ).
Das geschieht mit einem freundlichen Blick, einem fröhlichen Gruß, eine ermutigende Geste, ein einfühlsames Wort, eine helfende Tat, ein stilles Gebet.

Die Enge von Trinitatis bringt mich auf eine Geschichte (Heinz Schäfer, Hört.., Nr. 216), die Geschichte des Chinesen „Yang“ .

Er zahlte für seinen Glauben an Jesus einen hohen Preis. Yang (der männlich Gute; Yin,  weibl.) war ein wohlhabender Kaufmann. Als er sich einer christlichen Gemeinde anschloss, setzte ihm seine konfuzianische Familie zu. Seine bisherige Kundschaft boykottierte ihn. Bald musste er Geschäft und Villa verkaufen. Ihm blieb bloß noch eine armselige Hütte mit Mini-Garten.

Freunde von einst sahen sein Elend. Wohlmeinend drückten sie ihm ihr Bedauern aus. Aber Yang wirkte gar nicht verhärmt, eher zufrieden.

So gestand er den Freunden aus besseren Zeiten:„Ja, mein jetziger Garten ist weder lang noch breit. Doch “ – Yang streckte seine Hand nach oben,  hin-auf in den Himmel – „doch, mein kleines An-Wesen ist dafür    s e h r    hoch.“ 

Yang’s Glaube fand in Jesus „weiten Raum“ (Ps 31,9), die Weite nach oben, Gottes Himmel-Reich, den Raum der Glück-Seligkeit.

Er wusste:   „Niemand lebt davon, dass er viele Güter hat… und ist (dabei) nicht reich bei Gott“ (Lk 12,15.21).

„Arm und reich“ sind relative, nur eingeschränkte Begriffe.  Vom Lieder-Dichter Gerhard Tersteegen stammt die Feststellung: „Reich ist, wer viel hat; reicher ist, wer wenig braucht; am reichsten ist, wer viel gibt.

Die Einschränkungen durch Corona sind bedrückend. Vertrauen wir Jesus. Er „stellt unsre Füße auf weiten Raum“ (Ps. 31,9).

 

„Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre uns Herzen und Sinne in Christus Jesus!“ Amen!

Andacht für den 6. Sonntag nach Ostern – Exaudi, 24. Mai 2020 von Johannes Gortner

Friedenskirche Rottendorf Jer. 31, 31-34 

Eingangslied Nr.  444, 1-3: Die güldene Sonne
Psalm 27, Nr. 744, S. 1282
Lied Nr. 136, 1+2+7: O komm du Geist der Wahrheit

Evangeliumslesung: Joh. 16, 5 – 15 

 

Liebe Gemeinde,

vor kurzem wurde ich zu einer Silbernen Hochzeitsfeier eingeladen. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn ich hatte das Jubelpaar vor 25 Jahren getraut.  Die Einladung trug die Überschrift: wir, Rainer und Inge, feiern und erneuern unseren Ehebund und laden Euch herzlich dazu ein.  Der Höhepunkt des Festes war der Gang der der Festgesellschaft zu einer alten Eiche im nahegelegenen Wald. Dort hatte das damals junge Paar ein Herz in die Rinde geschnitzt.  Das Herz als Symbol ihrer Liebe.  Und siehe da: das Herz war zur Freude aller noch zu erkennen!  Das gab ein fröhliches Hurra! Heute hängen die jungen Paare eher Schlösser an Brückgeländer um ihre Liebe zu bekunden. Manchmal denke ich dabei: hoffentlich werden daraus keine Luftschlösser. Ja, viele schaffen es nicht, ihre Liebe lebendig und frisch zu erhalten, so wie bei Rainer und Inge. Der Ehebund hält nicht. Da bleiben dann oft gebrochene und gekränkte Herzen zurück.

Um einen ganz anderen Bund geht es um den heutigen Predigttext aus dem Alten Testament.  Den Bund einer dramatischen Geschichte zwischen Gott und dem Volk Israel. Erinnern wir uns: Gott hat das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten heraus in die Freiheit geführt. Dazu hat er ihm ein Land als neuen Lebensraum geschenkt.  Die Israeliten  verpflichteten sich, künftig Gottes Willen zu achten, ihm die Ehre zu geben und miteinander rücksichtsvoll und fair umzugehen, also eine solidarische Gesellschaft zu sein. Diesen Bund zwischen Gott und dem Volk besiegelten die 10 Gebote.  Er war fast wie die Beschreibung eines rechtlichen Vertrages. Aber dann ging es halt immer menschlicher und allzu menschlich im Volk zu. Nicht mehr das Gesetz Gottes bestimmte Handel und Wandel, sondern Betrug, rücksichtsloses Gewinnstreben und dazu neigten die Israeliten dazu, fremde Götter anzubeten, die ihnen mehr materiellen Wohlstand verhießen. Da trat Prophet Jeremias im Namen Gottes auf. Wir sind im 7. Jahrhundert vor Christus. Er war ein sensibler Mann, erlitt unsäglich unter dem Verhalten seiner Landsleute. Deshalb wurde er später der “weinende” Prophet genannt. Er prophezeite, dass Israel seines Landes als Strafe  Gottes beraubt würde, wenn es sich nicht ändert. Dafür wurde er als Landesverräter ins Gefängnis gesteckt. Und die Drohung wurde wahr: Israel wurde von den Assyrern unter König Nebukadnezar besetzt und die Oberschicht wurde nach Babylon deportiert.  Der Tempel zerstört. Doch die Unheilsverkündung blieb nicht das letzte Wort des Propheten und nicht das letzte Wort Gottes.  

Wir hören Jeremia 31, 31 – 34: Lesung…

Jetzt wird ein anderer Ton angeschlagen im Konflikt, im Streit zwischen Gott, Jeremia und dem Volk, das einen Irrweg eingeschlagen hat. Keine Strafandrohung,  kein Appell an den Gehorsam, keine Vorhaltungen mehr. Damit erreicht  man bei den Leuten in der Regel gar nichts. Gott entscheidet sich durch den Mund des Propheten anders: “Siehe, es kommt die Zeit, da will ich mit Israel einen neuen Bund schließen.” Das klingt verheißungsvoll. Tröstlich. Da klingt eine neue, bessere Zukunft an.

Und nun  gilt der neue Bund nicht allein für die Geschichte dieses antiken Volkes im Dunkel der Geschichte, sondern wir Heutigen sind damit gemeint, mit einbezogen. Gott stellt die Beziehung auf ein neues Fundament:  “Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben.” 

Wenn mich etwas in meinem Herzen berührt, das erlebe ich ganz intensiv. Das bringt mehr Saiten in mir zum Klingen als das, was die nüchterne Sprache des Verstandes mir mitteilt. Es rührt meine Gefühle an. Das kann ein Erlebnis in der Natur sein, ein Lied, ein gutes Wort,  eine Berührung, die gut tut, ja, natürlich, das Erlebnis der Liebe zu einem anderen Menschen. Wenn mich etwas in meinem Herzen berührt, dann fühle ich mich lebendig und ich möchte es ganz festhalten, in mir verankern. So ist es, wenn Gott sein Wort  in das Herz und den Sinn eines Menschen schreibt. Diese Inschrift ist wie ein neues Skript, das sagt: Hey, es ist nicht alles so, wie du immer denkst! Lies´ dich selbst,  deine Mitmenschen, dein Leben und auch deinen Gott mit neuen Augen.  Du musst dich nicht mehr von deinen Sorgen und Ängsten mürbe machen lassen. Vertrau deinem Herrgott, er sorgt für dich. Stell´ es ab, dass dich laufend die Idee wurmt, du seiest im Leben zu kurz gekommen und den anderen geht es immer besser als dir selbst. Schau´ auf das Gute, das dir geschenkt worden ist. Hör´ auf darüber zu grübeln, was dir anderen Menschen angetan haben. Vergib ihnen,  so wie du möchtest, dass dir auch vergeben wird.  Hilf´ anderen Menschen, wenn sie dich brauchen und achte nicht mehr darauf, was du selbst von der guten Tat hast. Tue es, ohne Berechnung.  Das ist das Gesetz Gottes. Es ist kein einengendes Gesetz, sondern eine Befreiung von irreführenden, belastenden Gedanken und Vorstellungen. Eine Befreiung, deren Erfahrung einem das Herz aufschließen kann. Der neue Bund, den Gott anbietet, ist kein juristisches Vertragswerk, sondern es ist ein Geschenk. Das Geschenk der Geborgenheit in Gott und seiner  Treue. Wer das erfährt, dem geht das Herz auf und er kann davon ein Leben lang zehren. 

In diesen Tagen der Erinnerung an das Ende des 2. Weltkrieges erinnere ich mich an viele Erzählungen, die ich von Menschen, die als Soldaten oder als Flüchtlinge und Ausgebombte den Krieg überstanden haben. Besonders eindrücklich waren für mich die Berichte darüber, wie ihnen in all den Gefahren ihr Glauben geholfen hat. Die Bibel- oder Liedverse, die ihnen als Kinder in die Herzen und Sinne geschrieben wurden. “Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt…” oder aus dem Psalm 23: “Und ob ich schon wanderte im finstern Tal fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich…”

Ich denke auch an demenzkranke Menschen in den Altenpflegheimen.

Sie haben große Konzentrationsschwierigkeiten, dennoch besuchen sie gerne die Gottesdienste. Obwohl ihre Erinnerungen stark eingetrübt sind, können sie ganze Lieder oder das  Vaterunser so auswendig als hätten sie es frisch gelernt. Sie freuen sich darüber. Ihr Glauben wurde ihnen früher unauslöschlich ins Herz eingeschrieben und ist im Heim eine Lebenshilfe für sie geworden. 

Freilich bleiben viele Herzen verschlossen. Dicht. Da hängen die immer und immer wieder im Kopf hin und her zergrübelten Zweifel an der Existenz Gottes oder die Resignation oder eine Bitterkeit oder einfach eine wurstige Zufriedenheit mit der Oberflächlichkeit des Lebens wie schwere Vorhangschlösser vor den Herzenstüren. Es liegt an uns, offen zu bleiben, immer wieder, für die Wunder des Lebens und für das Geschenk eines Bundes mit Gott, der hält und trägt heute und morgen und über dieses Leben hinaus.

“Siehe, es kommt die Zeit….” lässt Gott den Propheten Jeremia rufen. Johannes der Täufer knüpft an diese Verheißung an und kündigt seinen Zeitgenossen Jesus von Nazareth mit dem Ruf an: “Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist (mit Jesus)  herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.” (MK. 1,15).

Jesus Christus ist der Vermittler und Garant des neuen Bundes Gottes mit uns. Wir feiern ihn im Sakrament der Taufe, das Jesus eingesetzt hat. In der Taufe wird das Kind in die unzerstörbare Gemeinschaft mit Gott hineingenommen. Und wir ehren diesen Bund im Heiligen Abendmahl, das die Gemeinde der Friedenskirche hoffentlich bald wieder miteinander feiern kann. Das Abendmahl ist das große Versöhnungsfest Christi mit uns. Alles, was uns von Gott trennt wird  überwunden. Bei Jeremia wird es uns schon zugesagt: “Gott spricht: ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.” (Jer. 31, 34). Diese Vergebung spricht uns Christus, der für uns den Weg ans Kreuz gegangen ist, zu. Ihm sei Dank!

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Predigt; J. Gortner