Friedensgebet vom 28.6.2021 anlässlich der Messerattacke von Würzburg

Lied: EG 382 Str. 1-2 Ich steh vor Dir mit leeren Händen Herr

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Seit dem vergangenen Freitag Spätnachmittag stehen wir in der Stadt und Landkreis Würzburg unter Schock: In einem Geschäft in der Innenstadt, an einem Ort, an dem wir selbst immer wieder vorbeikommen, sind drei Frauen gestorben. Mehrere Menschen wurden sehr schwer verletzt. Die Einzelheiten kennen wir aus der Presse.

Schweigeminute

Wir zünden jetzt für jede der Getöteten eine Kerze an – dabei stellen wir uns schweigend mit offenen Händen vor Gott.

Stille

Beim nächsten Gebet singen wir als Ruf: „Ich steh vor Dir mit leeren Händen, Herr“ (EG 382)

Gebet:

Du Gott des Lebens wir bringen vor Dich, was Menschen am Freitag in Würzburg erlitten haben

  • Drei Frauen wurden getötet – wurden verletzt durch Messerstiche – von einem 24-jährigen Flüchtling aus Somalia – Ruf
  • Familien haben ihre Liebsten verloren – aus dem Nichts heraus. Sie wissen nicht ein noch aus vor Trauer und Entsetzen – Ruf 
  • Verletzte liegen in Krankenhäusern. Sie leiden nicht nur körperliche Schmerzen, sondern stehen unter dem Schock, dass in einer Alltagssituation ihr Leben plötzlich bedroht war – Ruf
  • Menschen hatten panische Angst und sind bis heute bestürzt – Ruf
  • In Somalia, dem Herkunftsland des Täters, tobt seit 32 Jahren ein schrecklicher Bürgerkrieg – Ruf
  • Flüchtlinge überstehen Erlebtes und die Flucht manchmal nicht ohne seelisch Schaden zu erleiden – Ruf
  • Psychische Krankheiten können manchmal die Persönlichkeit von Menschen derart verändern, dass sie für sich und andere zur tödlichen Gefahr werden – Ruf 
  • Religiöses oder nationalistisches Gedankengut kann Menschen derart prägen, dass sie sich selbst zu Herren über Leben und Tod machen. – Ruf
  • Menschen sind versucht, die schrecklichen Taten Einzelner ganzen Menschengruppen, Flüchtlingen, Angehörigen einer Religion oder Anhängern einer politischen Richtung anzulasten – Ruf

„Ich steh vor Dir mit leeren Händen Herr“, der du das Leben liebst. Entsetzlich fremd und unheimlich ist uns, was am Freitag passiert ist.  Du Herr zeigst uns einen Weg in eine Zukunft, in der wir mit dem Erlebten leben können. Amen.

Lied: EG 382 Str. 3

„Sprich du das Wort, das tröstet und befreit und das mich führt in deinen großen Frieden“ haben wir gesungen.. Hören wir auf das Wort Gottes im

Evangelium nach Markus: (MK4,35-41)

An jenem Tag, als es Abend geworden war, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg: und andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still. Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen, Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“.

  • Leise Musik

 Besinnung:

So wie die Jünger in dem Boot, so sind alle, die die Messerattacke erlitten und miterlebt haben, die einen Menschen verloren haben, ja sogar ein wenig wir auch in einer Lage, die sie durchschüttelt, in der ihr sicheres Lebensboot vollläuft und unterzugehen droht. Vielleicht sind sie nicht einmal in der Lage um Hilfe zu rufen. Vielleicht ahnen sie nicht, dass Jesus mit ihnen im Boot sitzt.

Der Sinn der Für-Bitte ist auch, für jemanden zu bitten, zu rufen und zu schreien, der dazu nicht in der Lage ist, der gar nicht auf die Idee kommt, dies zu tun. So schreien wir heute: „Herr, kümmert es dich nicht, dass da Menschen gerade untergehen? Nicht nur die Opfer der Messerattacke? Vielleicht ist sogar der Täter einer, der längst untergegangen ist im Sturm der Politik, des Hasses, der Überforderung, der Krankheit.

So sagen wir heute in diesem Friedensgebet stellvertretend zu Jesus: „Sprich du das Wort, das tröstet und befreit.“

Und Jesus antwortet – er spricht zunächst in den Sturm hinein – ruft dem Wind zu „Schweig!“  – sodass sich die Wellen sich legen. Es ist dieses „Schweig!“ Das wir als erstes hören …

  • Musik

Jesus sagt sein Wort an den Wind „Schweig!“ auch zu uns: schweig – schlage keine Wellen, verbreite nicht Angst und Schrecken weiter, sag nicht Sprüche wie: „Man kann ja nirgends wo mehr sicher einkaufen“ oder mach Vorschläge, was mit dem Täter passieren soll. „Schweig!“ Falls du jemanden kennst, der betroffen ist – schweig und hör zu, sei einfach nur da.

Das ist dein Beitrag zur Beruhigung der Situation. Dieses Schweigen befreit.

Und Jesus antwortet den verschreckten Jüngern im Boot: „Habt ihr denn keinen Glauben“. Auch dieses Wort gilt uns und allen die in dieser Situation emotional gefangen sind:

„Habt ihr denn keinen Glauben“.

Lied: „Befiehl Du deine Wege“ EG 361 Str. 1 und 2

Fürbitten:

Herr, du fragst uns wie die Jünger im Boot, nach unserem Glauben – stellvertretend für alle, die den Grund unter den Füßen verloren haben. Die Frage nach unserem Glauben zeigt uns wie ein Wegweiser den Weg zum Frieden. Um diesen Glauben bitten wir Dich:

Wir singen jeweils als Fürbittruf: „Ich möchte glauben, komm du mir entgegen“ (EG 382 Str. 1 letzte Zeile)

  • Herr, wir bitten um den Glauben, dass Menschen es schaffen, auch die schlimmsten Erlebnisse im Vertrauen auf eine bessere Zukunft zu verarbeiten – Ruf
  • Herr, wir bitten um den Glauben an Vergebung und Versöhnung – Ruf
  • Herr, wir bitten um den Glauben, dass den Toten das Leben gewandelt und nicht genommen ist – Ruf
  • Herr, wir bitten um den Glauben an heilende Kräfte in den Menschen selbst bei körperlichen und seelischen Leiden – Ruf
  • Herr wir bitten um den Glauben, dass es der Respekt vor der Privatsphäre der trauernden Familien verbietet, die Messerattacke einseitig politisch zu missbrauchen – Ruf
  • Herr wir bitten um den Glauben, daran, dass Polizei und Justiz sorgfältig ermitteln, sodass niemand Selbstjustiz üben muss – Ruf
  • Herr wir bitten um den Glauben an das Gute im Menschen, wie es sich bei den mutigen Bürgern gezeigt hat, die sich dem Täter entgegengestellt haben – Ruf
  • Herr, wir bitten um den Glauben an die Vernunft, die helfen kann, schreckliche Wege zu verlassen und umzukehren -Ruf

Herr, dein Wort tröstet und deine Fragen befreien.“ Schließ du das Land auf, das keine Grenzen kennt“ (EG 382) und lass uns alle als Geschwister leben. Amen

Vater unser

Lied: Herr, gib uns deinen Frieden EG 436

Segensgebet: EG 843. 8

Beten wir gemeinsam das Gebet um die Ruhe in der Nacht

Gib, dass wir uns hinlegen ….

 

Dazu segne uns Gott der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen

Lied: EG 482 Der Mond ist aufgegangen Str. 1,2.3,7