Andacht für Trinitatis, 07. Juni 2020 von Manfred Engel

Liebe Friedens-Kirchen-Gemeinde, liebe Gäste!

Das Thema der Predigt zur Trinitatis-Zeit lautet: „Weiter Raum auf schmalem Weg“.  
2018 arbeiteten meine Frau Renate und ich ehrenamtlich bei den christlichen Angeboten der Landesgartenschau mit in der Trinitatis-Kapelle.
Die symbolkräftige Architektur der Trinitatis-Kapelle regt zu anschaulichem Besinnen an. Lassen Sie sich durch die bildreiche Predigt anregen!

  1. Annäherung

Von der Höhe der Landesgarten-Schau im Osten fiel den Besuchern beim Blick nach Westen die Dreiecks-Pyramide am „Alten Park“ ins Auge. Bei entsprechendem Sonnenstand funkelt sie wie ein Diamant:  Die Trinitatis-Kapelle. Sie ist ein richtiger „Fund-Ort“.  Ja! Gott lässt sich überall finden. So sucht mancher Gott in der Natur, auf dem Jakobs-Weg, in Familie oder Musik. Am sichersten aber lässt sich Gott finden  in der christlichen Gemeinde.
Dort, „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20, LÜ), sagt Jesus. 

  1. Die Dreiecks-Pyramide

Auf Dreiecks-Grund erheben sich die Spitzen der Dach-Flächen gen Himmel.
Sie stehen für  die Drei-Einigkeit: Für Gott Vater,   Sohn   und Heiliger Geist.
Die Dach-Flächen aus poliertem Edelstahl mit ihrem Spiegel-Glanz wollen uns auf die strahlende Herrlichkeit der Trinität Gottes hinweisen.
>Die größte Fläche zeigt symbolisch nach Osten. Sie lässt sich „Gott Vater,  dem allmächtigen Schöpfer“ zuordnen.
>Die Dach-Fläche am „schmalen Zugangs-Weg“ passt zum Heiligen Geist. Er begleitet den Weg der Menschen gewaltig, aber tröstlich unauffällig.
>Die dritte Dach-Fläche mit offener Tür ist dem  Eintretenden zugewandt. Sie passt zu Jesus, der von sich sagt:
„Ich bin das Tor. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet. Er wird hinein- und hinausgehen und eine gute Weide finden“ (Joh 10,9; BasisB).

  1. Zugang

Vom breiten Haupt-Weg der einstigen Landesgarten-Schau führt ein schmaler Pfad mit leichtem Gefälle um die Dreiecks-Pyramide herum zur Trinitatis-Tür.
Bei  „Tür“  denkt   man unwillkürlich an Jesu einladendes Wort:
„Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal ist der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden“ (Mt 7,13-14). Die Tür zum ewigen Leben ist Jesus.
Sie ist zwar eng, aber zugleich weit offen für jeden aufrichtigen Gott-Sucher. 

  1. Gegen den Uhr-Zeiger-Sinn

Der Weg zum offenen Eingang   führt ganz um die Trinitatis-Kapelle herum. Und das gegen den Uhrzeiger-Sinn.
Was dachten sich wohl die Architekten dabei? Hand auf’s Herz! Gottes Einladung zum Glauben geht uns   von Natur aus   gegen   den Strich. Sie durchkreuzt  meine  selbstbestimmten Lebens-Entwürfe und Lebens-Pläne. Darauf rebelliert mein stolzes Herz. Darf es auch. Doch im Glauben steckt auch die Kraft zur Selbst-Überwindung.

  1. Der Innen-Raum

Macher empfanden den Raum enttäuschend schmucklos. Der eigentliche Schmuck sollen die Besucher sein, mehr noch die Gegenwart Jesus. Wie es im 4. Vers des Kirchen-Liedes   „Schönster Herr Jesu“   heißt ( EG ö 403): „Schön sind die Blumen, schöner sind die Menschen in der frischen Jugend-Zeit, (sie müssen sterben, müssen verderben:) Jesus bleibt in Ewigkeit!“
Im Raum selbst wird der Blick unwillkürlich nach oben gelenkt.
Zum einen sind es die in die Höhe strebenden 3 Seiten-Flächen und zum andern der Licht-Einfall-Schacht in der Spitze der Trinitatis-Kapelle.

Die Schöpfung lechzt neben Wasser nach Licht.

Dem entspricht Jesus Wort: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12). Und an  den Glaubenden von heute spricht er ermutigend zu:
„Ihr seid das Licht der Welt. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,14.16; LÜ).
Das geschieht mit einem freundlichen Blick, einem fröhlichen Gruß, eine ermutigende Geste, ein einfühlsames Wort, eine helfende Tat, ein stilles Gebet.

Die Enge von Trinitatis bringt mich auf eine Geschichte (Heinz Schäfer, Hört.., Nr. 216), die Geschichte des Chinesen „Yang“ .

Er zahlte für seinen Glauben an Jesus einen hohen Preis. Yang (der männlich Gute; Yin,  weibl.) war ein wohlhabender Kaufmann. Als er sich einer christlichen Gemeinde anschloss, setzte ihm seine konfuzianische Familie zu. Seine bisherige Kundschaft boykottierte ihn. Bald musste er Geschäft und Villa verkaufen. Ihm blieb bloß noch eine armselige Hütte mit Mini-Garten.

Freunde von einst sahen sein Elend. Wohlmeinend drückten sie ihm ihr Bedauern aus. Aber Yang wirkte gar nicht verhärmt, eher zufrieden.

So gestand er den Freunden aus besseren Zeiten:„Ja, mein jetziger Garten ist weder lang noch breit. Doch “ – Yang streckte seine Hand nach oben,  hin-auf in den Himmel – „doch, mein kleines An-Wesen ist dafür    s e h r    hoch.“ 

Yang’s Glaube fand in Jesus „weiten Raum“ (Ps 31,9), die Weite nach oben, Gottes Himmel-Reich, den Raum der Glück-Seligkeit.

Er wusste:   „Niemand lebt davon, dass er viele Güter hat… und ist (dabei) nicht reich bei Gott“ (Lk 12,15.21).

„Arm und reich“ sind relative, nur eingeschränkte Begriffe.  Vom Lieder-Dichter Gerhard Tersteegen stammt die Feststellung: „Reich ist, wer viel hat; reicher ist, wer wenig braucht; am reichsten ist, wer viel gibt.

Die Einschränkungen durch Corona sind bedrückend. Vertrauen wir Jesus. Er „stellt unsre Füße auf weiten Raum“ (Ps. 31,9).

 

„Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre uns Herzen und Sinne in Christus Jesus!“ Amen!