Andacht für den 4. Sonntag nach Ostern – Kantate, 10. Mai 2020

Wochenspruch: Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.  Psalm 98, 1

Lieder:  
EG 165, 1 – 2 + 6 Gott ist gegenwärtig
EG 302, 1 – 2 + 8 Du meine Seele, singe

Predigtwort aus dem 2. Buch der Chronik: 2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist. 4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf 5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.
12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

 

Liebe Gemeinde,

das hatte ich mir natürlich ursprünglich schon etwas anders vorgestellt, meinen Abschiedsgottesdienst hier in der Friedenskirche am Sonntag Kantate. Mit dem Chor Schalom natürlich und John Rutters „The Lord bless you und keep you“ und mit dem Posaunenchor und vielleicht dem Tango afferado über der Melodie von „Von Gott will ich nicht lassen.“

Das war für mich in den Jahren hier in Rottendorf schon immer ein ganz besonderes Geschenk, was hier in einer doch relativ kleinen Gemeinde an Kirchenmusik möglich war. Neben Chor und Posaunenchor gleich 3 hervorragende Organisten, die kleine Band, die sich alle Jahre wieder zum Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden zusammengefunden hat, über acht oder neun Jahre hin die Friedensspatzen, mit ihren mitreißenden Musicals, in den letzten Jahren die Musiker die sich zur Band für die Lobpreisgottesdienste zusammenfinden.

Jetzt mussten wir uns überlegen, ob man überhaupt singen darf im Gottesdienst und wenn ja, wieviel und ob das mit Mund- / Nasebedeckung geht …

Immerhin: ein klein wenig singen dürfen wir miteinander und Frau Birk kann die Orgel spielen. Und es ist ja auch interessant zu beobachten, dass gerade auch in dieser Coronakrise Musik in vielerlei Weise eine stärkende und tröstende Rolle spielt: Balkonkonzerte in Italien und Choralblasen auf den Balkonen bei uns, Verabredungen zur gleichen Zeit: „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen, gestreamte Konzerte…

Nicht umsonst hat Martin Luther geschrieben: „Musik ist die beste Gottesgabe. Durch sie werden viele und große Anfechtungen verjagt. Musik ist der beste Trost für einen verstörten Menschen, auch wenn er nur ein wenig zu singen vermag. Sie ist eine Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftmütiger und vernünftiger macht.“

Musik, Gesang kann die Hoffnung wieder wecken. Und das geschieht im gemeinsamen Singen sozusagen von außen nach innen. Wir müssen nicht erst tief und fest glauben, um in das Gotteslob einzustimmen, nein, wir können mitsingen, können einstimmen, damit wir im Singen glauben lernen, damit unsere Hoffnung und unsere Zuversicht wachsen. Gerade auch in Zeiten, in denen uns zunächst gar nicht nach singen zumute war.

Das ist in unserem heutigen Predigtabschnitt in gewisser Weise auch so. Beschrieben wird die Einweihung des Tempels in Jerusalem zur Zeit des Königs Salomo. Mit viel Prunk und noch mehr Musik wird die Bundeslade, Zeichen der Gegenwart Gottes während der Wanderung durch die Wüste auf dem Weg ins verheißene Land, in den Tempel geleitet. Doch aufgeschrieben wurde der Text in dieser Fassung etliche Jahrhunderte später, als eine andere Wüstenerfahrung hinter dem Volk Israel lag. Die Niederlage gegen die Babylonier und die Verschleppung eines großen Teils der Oberschicht nach Babylon. Und gerade darum malt die Chronik ein so wunderbares Bild von einer Situation, die von Musik und Gesang, von Jubel und dem Lobe Gottes erfüllt ist: Das alles soll die Hoffnung der kleinen Schar verbannter Juden im Exil stärken.

Schauen, hören wir noch einmal genauer hin, was da geschieht im Tempel: zahlreich Sänger und Bläser erheben ihre Stimmen, Zimbeln, Harfen und Saitenspiele erklingen und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn.

Die ganze Vielfalt klingt zusammen im Lob Gottes. Wenn es gut geht, dann ist das im Leben einer Gemeinde auch so. Jeder spielt sein Instrument, singt seine Stimme, bringt seine Gaben und sein Ideen ein. Zusammen klingt es viel interessanter, voller, lebendiger als wenn nur einer sänge oder musizierte und dann gibt es manchmal solche Momente, in denen plötzlich etwas spürbar, sichtbar, hörbar wird von der Gegenwart und Herrlichkeit Gottes.

Machen können wir solche Momente mit all unserem Tun nicht. Wir kennen das ja auch, dass wir uns recht mühen, um etwas auf die Beine zu stellen oder um eine Gruppe oder Aktivität in der Gemeinde vor dem „Aus“ zu retten, aber trotz aller Mühe funktioniert das dann doch nicht. Ich denke z.B. an unsere Bemühungen um die Erhaltung der „Friedensspatzen“, die Werbeaktionen dafür, um die Hedda Siedler sich gekümmert hat, den Förderverein eigentlich auch vor allem dafür gegründet, in den Lieselotte Müller viel Zeit investiert hat…

Ein andermal aber fügt sich vieles zusammen, wie bei unserem Gemeindefest und Posaunenchorjubiläum im letzten Herbst, mit 30 Bläsern im Chorraum und 200 Besuchern in der Kirche, mit Clown und singenden Kindergartenkindern.

Oder beim Jugendgottesdienst im Februar, wo mir innerlich schon mal ein wenig bange war, ob wir ein Team von Jugendlichen zusammenbekommen und dann saßen da plötzlich zehn, zwölf Jugendliche in der Runde mit Daniel Klein und mir, bunt gemischt: aktuelle und letztjährige Konfirmanden, etliche Jugendliche, die eher in der City Church unterwegs sind, aber sich dann doch auch hier mit einbrachten. Es wurde ein spannender und auch gut besuchter Gottesdienst.

Oder wenn wir uns in den letzten Jahren im November im Wasserschloss zusammenfanden zu „Was uns trägt“. Da liest ein Konfirmand die Schöpfungsgeschichte, der zweite Bürgermeister das Gleichnis vom barmherzigen Vater, die Leiterin des Jugendzentrums die Verheißung Gottes an Abraham, eine Kirchenvorsteherin Worte aus der Bergpredigt, der katholische Pfarrer die Ankündigung der Geburt Jesu an Maria… alles jeweils nur gerahmt von ein paar Sätzen, was die einzelnen mit diesem Bibelabschnitt verbinden, und da kommt etwas zum Klingen in diesem Raum, Gottes Wort kommt zum Klingen.

Wie gesagt: Wir können das nicht machen, wir haben es nicht in der Hand, auch wenn wir natürlich manches dazu tun, planen, schaffen…

In unserem Predigtabschnitt klingt es noch ein Stück radikaler: Da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des Herrn, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten, wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes. Das ist schon eine humorvolle theologische Pointe: Wo Gott anwesend ist, müssen die Priester Pause machen. Gott ist in der Mitte, alles in uns schweige…

Die Schlichtheit der Lade und Gottes Gegenwart in der Wolke unterbrechen die Feier. Das warnt uns davor, uns mit unserem gut gemeinten Betrieb um uns selbst zu drehen.

Und die Gegenwart Gottes in der Wolke verweist zurück auf die Wüstenzeit. Gott erscheint wie einst am Sinai, wo er in einer Wolkensäule vor dem Volk Israel herzieht, um sein Volk zu führen. Das war eine Zeit, in der das Volk immer wieder lernen musste aufzubrechen und von Tag zu Tag neu Vertrauen zu fassen zu seinem Gott. Das Manna ließ sich nicht auf Vorrat sammeln.

Tag für Tag neu Vertrauen fassen zu Gott, Schritt für Schritt weitergehen auf unserem Weg, das ist wahrscheinlich auch in diesen Tagen nicht das Schlechteste für Gottes Volk, für die Gemeinde Jesu Christi und jeden und jede einzelne von uns.

Amen.

Fürbittengebet

Herr, unser Schöpfer,

du bist der Komponist unseres Lebens.

Lehre uns, das Leben zu singen als Loblied für dich,

dass wir in all unseren Nöten deine Noten, deine Handschrift erkennen, darum rufen wir zu dir:

Herr, erbarme dich.

Herr, unser Erlöser,

du hältst auch die schrägen Töne unseres Lebens aus,

du erträgst die ganze Zerrissenheit unserer Welt.

In deine Hände legen wir, was für uns auseinanderfällt:

die Blüten im Frühling – und die vielen Corona-Toten auf der Welt,

das Zwitschern der Vögel – und die Einsamkeit der Alten in den Heimen.

Den wohltuenden Regen im Mai – und die Trauer über abgesagte Feste. Herr, das alles bringen wir nicht zusammen!

Darum rufen wir zu dir:

Herr, erbarme dich.

Herr, unser Tröster,

 du bist auch in den leisen Tönen:

im Summen der Bienen und im Zwitschern der Vögel,

im Lied der Kinder und im Brummen der Verwirrten,

Wir leben davon, dass du unserer Seele den Klang deiner Schöpfung schickst, dass du den langen Atem der Hoffnung schenkst,

damit wir nicht unter den Sorgen ersticken.

Dein Plan mit uns und mit der ganzen Welt

kommt doch zum Ziel.

Amen.