Andacht für den 3. Sonntag nach Ostern – Jubilate, 03. Mai 2020

Wochenspruch: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
2. Korinther 5, 17

Wochenlieder:
EG 110 Die ganze Welt, Herr Jesu Christ
EG 432, 1-3 Gott gab uns Atem

Evangelium: Johannes 15, 1 – 8 (zugleich Predigtwort)

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Eine Kollegin erzählt vom letzten Abend einer Konfirmandenfreizeit, an dem die Mitarbeiter, Jugendliche und Erwachsene, in einer Runde zum Austausch zusammensitzen.  „Was bewegt euch heute Abend?“, ist die Frage, mit der die Runde eröffnet wird. Die einen erzählen von dem Tag auf der Freizeit, von den schönen Erlebnissen, die sie hatten. Andere sind müde und auch ein bisschen gestresst von den Konfirmanden. Dann ist Nele an der Reihe. „Ich bin so froh, dass ich hier mitmachen kann. Mir ist das total wichtig. Ich habe so eine Gruppe gesucht, wo man andere Menschen trifft und in der es um den Glauben geht.“ Dann erzählt sie aus ihrer erst 16-jährigen Lebensgeschichte:

„Meinen Vater habe ich gar nicht kennengelernt. Mit meiner Mutter habe ich mich in den letzten Jahren nicht mehr gut verstanden. Das ist so eskaliert, dass ich freiwillig ausgezogen bin und in einer Wohngruppe gelebt habe. Nicht lange, nur ein Dreivierteljahr, das war eine harte Zeit. Ich wohne jetzt wieder zu Hause, mit meiner Mutter habe ich mich arrangiert. Aber ich habe total gemerkt, wie sehr ich andere Menschen brauche. Also, mit denen ich reden kann und die mich verstehen. Und mir ist aufgefallen, dass mir mein Glaube wichtig geworden ist. Lacht nicht! Das ist so. Als ich so alleine war, da hatte ich das Gefühl, dass ich von jeder Kraftquelle abgeschnitten bin. Kein Mensch, mit dem ich mal beten konnte. Hätte ich gar nicht gedacht, dass mir das so fehlen würde.“

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Woher bekommen wir Kraft zum Leben, zum Fruchtbringen? Manchem fehlt die Gemeinschaft im Gottesdienst und auch sonst in der Gemeinde in diesen Tagen und Wochen vielleicht schon sehr. Immerhin wir können in Verbindung bleiben, im gemeinsamen Gebet auf Distanz, per Telefon, per Post und über die sozialen Medien. Und die persönliche Beziehung zu Jesus, zu Gott, die können wir natürlich auch pflegen im Gebet, beim Lesen der Bibel, mit Radio und Fernsehgottesdiensten….

Dranbleiben, in Beziehung zu Jesus, zu Gott bleiben, das ist wichtig jetzt in Coronazeiten, aber genauso auch sonst, wo uns das im alltäglichen Getriebe und Hamsterrad zwischen Arbeit, Schule, Besuchen, Sport, Veranstaltungen… vielleicht sogar noch leichter verlorengeht als im Moment.

Eine Hilfe dazu ist das Danken. Sich immer wieder vor Augen halten, was Gott uns Gutes getan hat und immer noch tut. Danken, am besten spontan und regelmäßig. Spontan bei einem schönen Regenbogen, nach einem guten Essen, nach einem tiefen Gespräch mit Freunden „Danke Gott, du bist so wunderbar!“
Und auch regelmäßig: Abends ganz bewusst ein Gebet, in dem Sie sich an den Fingern herzählen, was Gott Gutes getan hat. Zum Beispiel, dass wir 75 Jahre Frieden haben; dass wir in einem Staat leben, in dem sich Regierende gut beraten lassen und das Notwendige tun; dass wir genug zu essen haben…

Eine andere Hilfe ist es sich immer wieder einmal zu fragen: Was ist mir wirklich wichtig im Leben?  Worauf kommt es an?

Jesus spricht davon, dass sein Vater die Reben reinigt, damit sie mehr Frucht bringen. Wenn ein Weingärtner seine Reben reinigt, dann geht es um die Steigerung des Ertrags und der Qualität. Es geht um Konzentration. Was Kraftverschwendung ist wird weggeschnitten, damit sich das andere umso besser entwickeln kann.

In Kirchengemeinden kann man sich fragen, ob jede Aktion, jede Veranstaltung, jede Gruppe wirklich zu Gottes Ehre dient, dazu, dass Menschen im Glauben gestärkt werden? Dazu, dass die Verbindung mit dem Weinstock in Fluss kommt und bleibt?

Im persönlichen Leben kann ich mich fragen, was ist eigentlich ein fruchtbares Leben? Die Früchte, die Trauben, die ein Leben aus der Verbindung mit dem Weinstock Jesus hervorbringt, sind sicher erstmal nicht vordergründige Erfolge. Ein fruchtbares Leben in diesem Sinn ist vielmehr ein Leben, das Schätze hervorbringt, die auch anderen dienen. Die Trauben am Weinstock Jesu könnten darum z.B. Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, Versöhnungsbereitschaft oder Heilung heißen. Aber warum nicht auch Phantasie, Kreativität und Gemeinschaft. Biblisch ist der Wein und der Weinstock ein Symbol für Fest, für Lebensfülle, für friedvolles und gesegnetes Leben, das jeder „unter seinem Feigenbaum und Weinstock“ führen kann. Und die Früchte am Weinstock Jesu könnten alles sein, was uns und  andere dazu veranlassen kann, Gott zu loben, so wie es uns der Name dieses Sonntags auch nahelegt: Jubilate – Jauchzet Gott, alle Lande!  …Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!

An diesem Sonntag hätten wir bei uns in der Gemeinde Konfirmation gefeiert. Nun ist das Fest auf den Herbst verschoben.  Konfirmation ist ein Fest,  bei dem es ganz besonders um die Festigung, die Bestärkung der Verbindung zu Jesus Christus und zur Gemeinschaft der Glaubenden geht. Oder wie es die Konfirmandengruppe in ihrem eigenen Glaubensbekenntnis ausgedrückt hat um die Verbundenheit mit „der Gemeinschaft der Heiligen, in der man sich gegenseitig hilft und zusammenhält“.

Und wenn wir heute als Gemeinde besonders an unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden denken, dann ist auch das ein Ausdruck für die  Verbundenheit der Christen untereinander, für das Bleiben am Weinstock Jesu Christi.
So spricht Christus uns allen zu:
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.
Amen.

Pfarrerin Barbara Renger

 

Glaubensbekenntnis der Konfirmandinnen und Konfirmanden 2020

Ich glaube an einen Gott, blind für Hautfarben, der alle seine Geschöpfe liebt und nur Gutes mit uns im Sinn hat.

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösen, Gutes entstehen lassen kann und will und dass er uns auf unserem Weg nicht im Stich lassen wird.

Ich glaube an Jesus Christus, geboren von einer Frau des einfachen Volks, unseren Erlöser, der sich für uns geopfert hat.

Ich glaube, dass Jesus Christus uns den Weg zu einer Welt im Sinne Gottes zeigen will und die eiserne Herrschaft der Ungerechtigkeit richtet.

Ich glaube an die unerschütterliche Liebe und an die Vergebung Christi.

Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen, in der man sich gegenseitig hilft und zusammenhält.

Ich glaube nicht, dass Kriege unvermeidlich sind und Friede unerreichbar ist.

Ich glaube (vielmehr) an die Auferstehung der persönlichen Würde, der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung und an den endgültigen Sieg der Liebe.

Amen.

 

Gebet für Jubilate (VELKD leicht verändert)

In dir bleiben, Christus.
Die Kraft von dir empfangen. Aus deiner Wurzel leben.
Aufnehmen und weiterreichen, was du uns gibst.
Frucht bringen.
Christus, ohne dich können wir nichts tun.

Du gibst die Kraft. Aus dir strömt sie.
Gib sie denen, die müde sind, die erschöpft sind von Corona,
die sich aufreiben in der Sorge für andere,
deren Mut aufgebraucht ist, die sich fürchten vor dem, was kommt.
Du bist die Wurzel, die trägt.
Erbarme dich.

Du bist der Friede. Du berührst die Herzen.
Verwandle die Hartherzigen, die Kriegsherren und die Lügner.
Heile ihre Opfer. Du bist das Glück für die Schwachen.
Erbarme dich.

Du bist die Liebe. Du machst alles neu. Du bleibst.
Bleib bei den Trauernden, Christus und bei den Liebenden,
denn ohne dich verlieren sie sich.
Du Liebe, sprich zu uns,
zu deiner Gemeinde und zu deiner weltweiten Kirche.
Bleib bei unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden,
dass sie verbunden bleiben untereinander und mit dir.
Bleib bei uns. Christus, ohne dich können wir nichts tun.
Du bist der Weinstock.
Erbarme dich heute und alle Tage, die kommen. Amen.