Andacht für Ostersonntag, 12.04.2020

Wochenspruch zu Ostern: Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offenbarung 1,18)

Predigtwort 1. Korinther 15, 19-28

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.
Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt. Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat«. Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Denn »alles hat er unter seine Füße getan«. Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.

Ostern fällt heuer aus? Nein, auch wenn die Ostergottesdienste in den Kirchen und die Osterbesuche in den Familien ausfallen. Ostern fällt nicht aus. Die Botschaft: Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! geht auch in diesem Jahr um die Welt.
Es fehlt uns vieles: die Gottesdienste, die Feier des Heiligen Mahls, die Osternacht und das Osterfrühstück in der Gemeinde. Es fehlen auch die Besuche bei Großeltern und anderen Verwandten.

Aber auch wenn wir das alles nicht oder nur eingeschränkt im kleinen Kreis machen können, Ostern findet statt, Ostern wird gefeiert, die Botschaft wird weitergetragen und geht inmitten der Krise um die Welt. Und wahrscheinlich sind wir – weil wir von einer Krankheit bedroht sind – noch einmal mehr herausgefordert, uns mit dieser unglaublichen Botschaft von der Auferstehung auseinander zu setzen.

Wir Christen glauben ja etwas Unglaubliches – Der Herr ist auferstanden! Ist er – wirklich – wahrhaftig auferstanden?

„Nach Ostern wird Österreich seine „Wiederauferstehung“ erleben“ hat der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz gesagt. Und es ist ein starkes Bild für das, was Auferstehung, die Überwindung des Todes sein kann, wenn das öffentliche Leben, das zum Erliegen gekommen ist, wieder erwacht, wenn Begegnungen wieder möglich sind. Wir brauchen solche Bilder, um uns dem anzunähern, was Ostern, was Auferstehung bedeutet. Das Neuwerden der Natur im Frühling; die Erfahrung, wie das ist, wenn nach langer Trauer wieder neue Lebensfreude in uns erwacht oder wenn uns neuer Mut zuwächst. Solche Osterspuren, solche Auferstehungsspuren im Alltag, sie können unseren Glauben stärken. Wir brauchen diese Spuren und wir brauchen die Bilder, um mit unseren unzureichenden Mitteln ein wenig von dem zu beschreiben und zu begreifen, worum es wirklich geht. Auch in der Bibel finden wir darum viele Bilder für die Auferstehung und das neue, das ewige Leben: Jesus hat zu seinen Erdenzeiten vom großen Fest erzählt, zu dem wir eingeladen sind. In der Offenbarung des Johannes lesen wir von der neuen Stadt Jerusalem, eine Stadt ohne Leid und Geschrei, eine Stadt mit offenen Toren, in der sich keiner mehr vor dem anderen schützen muss, eine Stadt, in der Gott gegenwärtig ist und zärtlich alle Tränen abwischt. Und auch der Heilsweg, wie ihn Paulus in unserem Predigtabschnitt beschreibt, ist solch ein Bild. Dieser Weg, auf dem alle Unterdrückung und Gewalt vernichtet wird,  bis Gott sein wird alles in allem.

Wir brauchen die Bilder und natürlich gehört es auch zum Glauben an die Auferstehung, dass wir aus diesem Glauben leben, dass wir Schritte zum Frieden und zur Versöhnung wagen. Dass wir uns einsetzen für Gerechtigkeit und gegen Gewalt und Unterdrückung. Der Glaube an die Auferstehung der Toten ist alles andere als ein billiger Trost, alles andere als Vertröstung auf ein besseres Jenseits, die dazu beiträgt, die Herrschaftsverhältnisse dieser Welt zu zementieren. Christen sind Protestleute gegen den Tod, das hat schon vor mehr als 100 Jahren Christoph Blumhardt d.J. gesagt. D.h. es ist unsere Aufgabe gegen die gottfeindlichen Mächte anzuleben; gegen Krieg und Gewalt, gegen Leid und Einsamkeit. Im Glauben an die Auferstehung dürfen wir uns nicht wieder zu Handlangern des Todes machen lassen, indem wir etwa Menschen in ihrer Not oder in ihrem Sterben allein lassen. Auch unser Tun, unser Einsatz für andere, unsere Zuwendung zueinander gehört zu den Spuren der Auferstehung, den Osterspuren in dieser Welt.

Und doch: Ostern und die Auferstehung von den Toten, das geht nicht auf in unseren Bildern und Vorstellungen. Das geht auch nicht auf in unserem Tun. Gott sei Dank!

Wenn das so wäre, dann wären wir – wie Paulus es schreibt –  in der Tat die elendesten unter allen Menschen, denn dann wäre all unsere Hoffnung vergebens und all unser Tun und Mühen um Frieden und Mitmenschlichkeit wäre umsonst.

Bliebe alles in den Grenzen unserer Möglichkeit und in den Grenzen dessen, was wir uns vorstellen können, der Tod behielte schließlich doch das letzte Wort und sei es auch erst am Ende unseres irdischen Lebens.

Nun aber, schreibt Paulus, nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling derer, die entschlafen sind.

Nun aber… Dieses Nun aber bezeichnet die völlig unbegreifliche neue Wirklichkeit, die unsere Möglichkeiten und Vorstellungen übersteigt: Das ist geschehen; Christus ist auferstanden von den Toten.

Beweise im strengen logischen Sinn gibt es dafür nicht.

Was wir aber haben, ist so etwas wie eine Lichterkette, eine Lichterkette durch die Zeiten, eine Lichterkette gegen den Tod: die Frauen am leeren Grab, die Zeugen der Erscheinungen des Auferstandenen von den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus bis zu den „500 Brüdern auf einmal“ von denen Paulus im 1. Korintherbrief berichtet. Menschen, die auch erst einmal nicht begreifen konnten, was da geschehen war, die den Auferstandenen nicht erkannten, die immer wieder zweifelten, die innerlich abgeschlossen hatten mit dem gemeinsamen Weg mit Jesus – und dann plötzlich von einer Begegnung, einer Erfahrung so tief berührt, so tief bewegt waren, dass sie offenbar gar nicht anders konnten, als diese Erfahrung weiter zu geben.  Das haben wir, diese Kette der Zeugen durch die Zeiten: Das Bekenntnis von Märtyrern, Künstlern, Philosophen. Und als verlässlichstes Glied dieser Lichterkette das Bekenntnis der Gemeinde, die nicht nur zu Ostern, sondern jeden Sonntagmorgen, seit bald 2000 Jahren mehr oder weniger kunstvoll, unermüdlich Ostern feiert: den Sieg über den Tod und seine mächtigen Helfeshelfer, den Anbruch der neuen Schöpfung, die Auferstehung von den Toten und das ewige Leben. Diese Kette reißt auch an diesem Osterfest nicht ab, diese Botschaft wird weitergegeben auch in diesen Ostertagen: Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Ansteckende Hoffnung auch und gerade in Zeiten eines ansteckenden Virus.

 Nun aber ist Christus auferstanden Das feiern wir. Auch wenn sich der Tod in unserer Welt immer noch mächtig gebärdet. Nun aber ist Christus auferstanden. Das ist eine geradezu atemberaubende Botschaft.  Doch statt uns den Atem zu rauben, will sie uns einen langen Atem schenken für unseren Protest gegen den Tod, der nicht vergeblich ist.

Nun aber ist Christus auferstanden. Gott hat seine Macht schon gezeigt. Einst wird er alles in allem sein. Und wir dürfen gespannt sein, dürfen neugierig sein auf seine Möglichkeiten, auf seine Herrlichkeit. 

Pfarrerin Barbara Renger

 

Dank- und Fürbittengebet  

Guter Gott, wir danken dir für alle Wunder, die du an uns tust.

Wie gut, dass wir schauen und spüren dürfen: Jesus Christus ist bei uns, unter uns, das Licht der Welt, der Erstling, auferstanden von den Toten.

Guter Gott, wir danken dir für den Ostersonntag. Für jeden neuen Tag nach der Nacht. Für das Grün, das aus den Zweigen bricht. Für das Lachen. Für das gute Wort.

Wir bitten dich: Lass Ostern immer wieder aufgehen in uns und um uns. Mach uns zu den Zeugen deiner Auferstehung und lass Ostern mit uns weitergehen. Auch dorthin, wo Not und Krankheit das Leben finster hält, wo Menschen keine Arbeit haben, wo Ungerechtigkeit und Krieg herrschen, wo Halt und Heimat verloren sind.

Dort, wo Schmerz und Leid nur schwer zu tragen sind, dorthin sende du dein österliches Licht. Amen.

 

Ein frohes und gesegnetes Osterfest!