Andacht für Gründonnerstag, 09.04.2020

Tagesspruch für Gründonnerstag: Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr. (Psalm 111,4)

Lieder:
EG 223 Das Wort geht von dem Vater aus
KAA 096 Ich bin das Brot, lade euch ein

Epistel: 1.Korinther 11,23-26

Paulus schreibt: Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis.
Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.
Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Am Gründonnerstag erinnern wir uns an ein großes Geschenk, das Jesus seinen Jüngern und den Christen durch die Jahrtausende gemacht hat. Wir erinnern uns an die Stiftung des Heiligen Abendmahls, an das Versprechen und die Erfahrung, die damit verbunden ist, dass Jesus Christus, dass seine stärkende Zuwendung in Mitten unserer zerbrechlichen Gemeinschaft, in Mitten auch von Unsicherheit, Ängsten und Not gegenwärtig ist.

Am Abend vor seiner Hinrichtung feierte Jesus mit seinen Jüngern das Passahmahl. Er bricht das Brot und reicht den Kelch herum. Er deutet neu, was bei diesem Mahl geschieht: Mein Leib für euch… der neue Bund in meinem Blut… das tut zu meinem Gedächtnis.

 Und es blieb lebendig unter den Jüngern, dieses Erlebnis, dass sie gemeinsam feiern konnten, selbst in der größten Gefahr. Dass sie zur Ruhe kamen, als es draußen schon gefährlich brodelte. Dass sie noch einmal zueinander fanden, bevor sie einander verloren.

Da war Freude  – mitten im Leid; sie erfuhren Ruhe – mitten in der Unruhe. Gemeinschaft mitten im Verrat. Sie fanden Frieden mitten in der Verfolgung.

Das blieb lebendig unter ihnen allezeit; wann immer sie zusammensaßen, das Brot zu brechen, aus einem Kelch zu trinken, da wurde lebendig unter ihnen diese Erfahrung der Nähe Jesu.

Besonders eindrücklich ist mir das oft bei Feiern des Abendmahls mit Sterbenden geworden, wo man wissend, es ist das letzte Mal, zusammenkommt, Familie, Freunde, ein Mensch, der im Bett liegt … und wir reichen einander Brot und Wein zum Zeichen, dass es soweit ist, und zum noch viel tiefer berührenden Zeichen, dass es Hoffnung gibt. Trotz allem. Dass uns der Abschied nicht wird trennen können. Verbunden in dem, der den Tod überwand.

Wenn ich in den letzten Wochen in der Friedenskirche war und um 19 Uhr die Vaterunserglocke geläutet und die Osterkerze angezündet habe, dann fiel mein Blick auch immer wieder auf das Abendmahlsfenster. Diese ungewöhnliche Darstellung: Jesus allein am Tisch mit Kelch und Brot. Wenn ich das Bild mit Schülern oder Konfirmanden betrachtet habe und wir miteinander überlegten, was darin zum Ausdruck kommen soll, war eine Antwort: Die Jünger haben Jesus nachher alle im Stich gelassen, vielleicht wollte der Künstler mit seiner Darstellung schon darauf hinweisen. Eine andere Deutung wäre, die freien Plätze am Tisch sind frei für uns, frei für die Gemeinde, die hier in dieser Kirche das Abendmahl feiert. Dass das Fenster genau auf der Höhe des Altars ist, um den sich die feiernde Gemeinde normaler Weise versammelt, spricht dafür.

In dieser Kar- und auch in der Osterwoche werden wir kein Abendmahl in der Friedenskirche feiern können.

Aber ich vertraue darauf, die Plätze am Tisch mit Jesus werden nicht freiblieben. Wir werden seine stärkende Zuwendung mitten in Unsicherheit und Sorgen trotzdem erfahren können: Im Gebet, beim Lesen der biblischen Geschichten zur Passion und zu Ostern, auch beim gemeinsamen Essen in der Familie, in der Sehnsucht nach der Gemeinschaft in der Gemeinde und in der Hoffnung darauf, dass wir dieses Mahl in nicht allzu ferner Zukunft wieder miteinander feiern können.

Pfarrerin Barbara Renger

 

Gebet

Jesus Christus, du Brot des Lebens. Dein sind wir.

So beten wir für die Menschen, die in Krankenhäusern und Pflegeheimen arbeiten, in Feuerwachen und Apotheken, in Kitas und Supermärkten, in Laboren und in Ställen, in Ämtern und Gemeinden.
Komm zu ihnen, stärke sie, schenke ihnen immer wieder neue Kraft und neuen Mut.

Jesus Christus, du Brot des Lebens. Dein sind wir.

So beten wir für die Kranken, für die, die einsam sterben,
für die, die unter der Last dieser Tage zusammenbrechen.
Komm zu ihnen mit deiner Liebe und stärke ihre Hoffnung.

Jesus Christus, du Brot des Lebens. Dein sind wir.

So beten wir für alle, die Verantwortung tragen in Politik, Gesellschaft, und Wirtschaft.

Komm zu ihnen, stärke und leite sie durch deinen Geist, damit sie in schwierigen Situationen gute und hilfreiche Entscheidungen treffen.

Jesus Christus, du Brot des Lebens. Dein sind wir.

So beten wir für die Menschen,  die in der Sorge dieser Tage in Vergessenheit geraten, die Flüchtlinge, die Opfer von häuslicher Gewalt, die Verwirrten und Missbrauchten,
die Hungernden, die Einsamen.

Komm zu ihnen und schenke ihnen Zukunft.

Herr und Bruder, Jesus Christus, lass uns deine Liebe mit in unser Leben nehmen. Denn sie ist das Band, das die Kirche eint, das die Völker zueinander führt und alle miteinander verbindet. Dank sei dir in Ewigkeit. Amen.