Andacht für Sonntag Lätare, 22.03.2020

Wochenspruch für den Sonntag Lätare (22.03. 2020)

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein, wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12, 24)

Wochenlieder für den Sonntag Lätare:
EG 98 Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt
EG 396 Jesu, meine Freude

Predigttext Jesaja 66. 10 -14

10 Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.

11 Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an dem Reichtum ihrer Mutterbrust.

12 Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Ihre Kinder sollen auf dem Arme getragen werden, und auf den Knien wird man sie liebkosen.

13 Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.

14 Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.

 Liebe Gemeinde,

Lätare, auf Deutsch: Freut euch! Das ist der Name dieses Sonntags mitten in der Passionszeit. „Klein- Ostern“ wird er auch manchmal genannt. Mitten auf dem Leidensweg ein Ausblick auf das, was kommen soll: Auferstehung, neues Leben, ewiges Leben.

Lätare – Freut euch! Jetzt auch ein Sonntag mitten in den Zeiten von Corona und entsprechenden Einschränkungen unseres alltäglichen Lebens. Ein Sonntag, der uns in dieser Situation aufrichten, trösten, stärken, kräftigen soll auf dem Weg, den wir da noch zu bewältigen haben.

Der Predigttext des heutigen Sonntags aus dem Propheten Jesaja erzählt mit dem eindrucksvollen und höchst sinnlichen Bild einer stillenden und tröstenden Mutter von der Fülle des Lebens, die Gott schenkt und von seiner / ihrer zärtlichen Zuwendung. Ein Bild, das natürlich gerade in diesen Zeiten, da wir zu anderen Menschen auf Distanz gehen sollen, auch Sehnsucht weckt.

Ursprünglich galt dieses Prophetenwort dem Volk Israel, genauer den Rückkehrern aus der Deportation nach Babylonien. Mit großen Hoffnungen waren sie, als es möglich war, wieder nach Jerusalem, wieder in die Heimat zurückgekehrt. Aber die Situation erwies sich als viel schwieriger als erwartet. Die Stadt war in einem schlechten Zustand, der Tempel zerstört, der Wiederaufbau unendlich mühsam, das Miteinander mit denen, die in der Heimat geblieben waren, schwierig. Trösten und ermutigen, stärken sollte sie da dieses Hoffnungswort.

Heute, in den Tagen von Ausgangsbeschränkungen und sozialer Distanz ermutigt mich dieses Wort auf Entdeckungsreise zu gehen: Wo kann ich Gottes liebevolle Zuwendung und die Fülle des Lebens, die er / sie schenkt dennoch entdecken?

Ein paar Ideen dazu:

  • Im Gebet, für mich allein oder mit vielen anderen auf Distanz und dennoch verbunden, wie jetzt mit der Aktion „Licht der Hoffnung“: Jeden Abend um 19 Uhr eine Kerze anzünden, ins Fenster, vor die Tür stellen, zur Ruhe kommen, beten vielleicht noch, womöglich auf dem Balkon, singen: Der Mond ist aufgegangen. Dabei läutet um 19 Uhr die Vaterunserglocke unserer Kirche und jemand zündet dort die Osterkerze an, betet…
  • Zeit nehmen zum Lesen und aufbauende Funde weitergeben an andere per Whatsapp, per Mail…
  • Telefonieren, chaten, Briefe schreiben und so vielleicht auch länger eingeschlafene Kontakte wieder aufnehmen
  • Ganz bewusst sich Zeit nehmen zum Kochen und Essen, ein gutes Glas Wein genießen oder ein Stück Schokolade (auch wenn Fastenzeit ist, gerade der Sonntag Lätare bietet sich zum Fastenbrechen an ;))
  • Musik hören, Musik machen, singen, tanzen – warum auch nicht alleine in der Wohnung
  • Das Wachsen und Blühen der Natur in diesem Frühjahr bewusst wahrnehmen. Den Duft von Veilchen, von Weißdorn und Haferpflaumen, im eigenen Garten, so man einen hat. Aber auch Spaziergänge in der freien Natur sind ja noch erlaubt, wenn auch nur alleine oder mit Menschen aus der eigenen Wohngemeinschaft. (Bitte halten Sie sich da auch daran, zum Schutz aller und auch damit die Möglichkeiten nicht noch weiter eingeschränkt werden müssen.)

Der Wochenspruch  macht uns Hoffnung, dass aus und in schweren Zeiten neues, wahres Leben wächst.

Ob die Coronakrise auf Dauer auch unser Leben zum besseren verändern wird?

Werden wir etwas daraus lernen? Z.B. vieles, was wir haben und was uns umgibt, weniger selbstverständlich zu nehmen; erkennen, was wirklich wichtig ist und verzichten auf das, was wegbleiben kann? Entdecken, dass Gewinnmaximierung, auch im Bereich des wirtschaftlichen Lebens, vielleicht nicht das Allerwichtigste ist und dass nicht alle Produktion in Billiglohnländer mit schlechten Umwelt – und Arbeitsstandards verlagert werden sollte?

Ich hoffe es, aber vor allem will ich darauf vertrauen, dass auf dem Weg dorthin uns der zur Seite steht, der selber durch Leid und Tod gegangen ist und gerade dadurch die Macht des Todes überwunden hat. So wie es in einem der Wochenlieder für diesen Sonntag heißt: Unter deinen Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Lass den Satan wettern, lass die Welt erzittern, mir steht Jesus bei. Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken.

Gebet für den 4. Sonntag der Passionszeit (Lätare) (Quelle VELKD / ergänzt)

Jesu, meine Freude.
Wir singen es.
Allein und mit schwacher Stimme –
und sind nicht allein.
Wir singen es.
Getrennt von unseren Freundinnen und Freunden –
und sind nicht allein.
Erbarme dich.

Jesu, meine Freude.
Wir singen es bangen Herzens,
in Sorge um die Kranken –
und sie sind nicht allein.
Wir singen es bangen Herzens,
in Trauer um geliebte Menschen –
und sind nicht allein.
Erbarme dich.

Jesu, meine Freude.
Wir singen es unter deinen Schirmen.
Wir singen es
und bitten um Schutz und Schirm für alle
die pflegen, die forschen, die retten, die andere im Alltag unterstützen.
Wir singen es
und bitten um Frieden
in unserem Land,
bei unseren Nachbarn
in Krisen – und Kriegsgebieten weltweit, für die Menschen auf der Flucht.
Erbarme dich.

Wir bitten für alle, die Verantwortung tragen in Politik, Gesellschaft, und Wirtschaft, leite sie durch deinen Geist, damit sie in schwierigen Situationen gute und hilfreiche Entscheidungen treffen.

Erbarme dich.

Jesu, meine Freude.
Allein und in dir verbunden singen wir.
Wir singen und loben dich.
Wir singen und beten mit unseren Freundinnen und Freunden.
Wir singen und hoffen für alle, um die wir Angst haben,
Dir vertrauen wir uns an,
heute, morgen und jeden neuen Tag.

Amen.

 

(Andacht zum Sonntag Lätare als pdf: Andacht für Sonntag Lätare 22 03 2020)